Die Schuldkette

"Wissen Sie, was das größte Problem unseres Lebens ist? Ah, die Älteren denken natürlich an ihre Galle oder ihre Niere oder was gerade krank ist. Tolle Probleme! Bei den Jüngeren ist es dann »das Mädchen« oder »der Junge«. Es hat jeder so seine Probleme. Glauben Sie mir: Das größte Problem unseres Lebens ist unsere Schuld vor Gott!

Ich war jahrzehntelang Jugendpfarrer. Da habe ich immer neue Bilder gesucht, um den Jungen das klar zu machen. Eins von diesen Bildern möchte ich hier brauchen. Ich habe gesagt: »Stellt euch mal vor, wir haben von Natur einen eisernen Ring um den Hals. Und jedes Mal, wenn ich sündige, wird ein Kettenglied angeschmiedet. Ich habe einen schmutzigen Gedanken: ein Kettenglied. Ich bin frech gegen meine Mutter: ein Kettenglied. Ich habe böse geredet über andere Leute: ein Kettenglied. Ein Tag ohne Gebet, als wenn Gott nicht wäre: ein Kettenglied. Unehrlichkeit, Lüge: ein Kettenglied.«

Überlegen Sie mal, wie lang die Kette ist, die wir hinter uns herschleifen! Verstehen Sie: die Schuldkette! So real ist Schuld vor Gott – auch wenn man diese Kette nicht sieht! Aber sie ist riesenlang. Und wir schleppen sie mit uns herum. Ich frage mich oft, warum die Menschen gar nicht recht fröhlich und glücklich sein können. Sie haben’s doch weithin so gut. Aber sind Sie glücklich? Sie können nicht glücklich sein! Sie können’s nicht – weil Sie die Schuldkette mit sich herumtragen! Und die nimmt Ihnen kein Pfarrer und kein Priester und kein Engel weg. Und auch Gott kann sie nicht wegtun, weil er gerecht ist:

Was der Mensch sät, das wird er ernten.

Doch nun ist da Jesus! Er ist der Einzige, der mit dem größten Problem unseres Lebens fertig wird: Er ist für meine Schuld gestorben. Er hat sie bezahlt, als er starb. Darum ist er imstande, mir die Schuldkette abzunehmen. Er ist der Einzige, der das kann!

Ich möchte Ihnen aus Erfahrung sagen: Das ist eine Befreiung zu wissen: Ich habe Vergebung meiner Sünden. Das ist die große Befreiung im Leben – und erst im Sterben. Ihr Alten, sterben und Vergebung der Sünden haben! Oder in die Ewigkeit gehen und alle Schuld mitnehmen müssen! Schauerlich!

Ich kenne Leute, die haben ihr Leben lang gesagt: »Ich bin gut. Ich bin recht.« Und dann sterben sie und lassen die letzte Hand los – und entdecken: Das Schiff unseres Lebens fährt auf dem dunklen Strom der Ewigkeit – Gott entgegen. Sie haben nichts mitnehmen können: kein Häuschen, kein Bankkonto, kein Sparkassenbuch – nur ihre Schuld. So fährt man vor Gott. Schauerlich! Doch das ist das Sterben der Menschen. Und wenn Sie sagen: »So sterben sie alle!« – dann sterben sie alle so! Aber Sie müssen nicht so sterben! Jesus gibt Vergebung der Sünden! Das ist jetzt schon die größte Befreiung, die es gibt.

Ich war ein junger Bursche von 18 Jahren, als ich erfuhr, was Vergebung der Sünden ist: Die Kette fiel ab! Es heißt in einem Lied:

Die Sünden sind vergeben, / Das ist ein Wort zum Leben
Für den gequälten Geist. / Sie sind’s in Jesu Namen.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie das auch erfahren! Gehen Sie hin zu Jesus! Heute. Er wartet auf Sie. Und sagen Sie ihm: »Herr, mein Leben ist ganz verkorkst und voll Schuld. Ich habe das immer verschwiegen und gut von mir geredet. Jetzt lege ich’s dir hin. Jetzt will ich glauben, dass dein Blut meine Schuld austilgt.« Das ist eine herrliche Sache, die Vergebung der Sünden!

Im 17. Jahrhundert lebte in England ein Mann namens Bunyan. Dieser Bunyan wurde um seines Glaubens willen jahrelang ins Gefängnis gesperrt. Das hat’s zu allen Zeiten gegeben. Neben dem Worte Gottes sind Gefängnisse das Stabilste, was es in der Menschheit gibt. Und da im Gefängnis hat dieser Bunyan ein wunderschönes Buch geschrieben, das heute noch aktuell ist. Da schildert er das Leben eines Christen wie eine ganz gefährliche, abenteuerliche Wanderung. Das fängt so an: Da lebt einer in der Stadt Welt. Auf einmal wird er unruhig und sagt etwa so: »Es stimmt hier nicht. Ich bin friedelos. Ich bin unglücklich. Ich müsste hier raus.« Er redet mit seiner Frau. Die erklärt ihm: »Du bist nervös. Du brauchst Erholung.« Aber das hilft ihm alles nichts. Die Unruhe bleibt. Und eines Tages merkt er: »Es hilft nichts. Ich muss raus aus dieser Stadt!« Und dann flieht er. Als er loswandert, merkt er, dass er eine Last auf dem Buckel hat. Er will sie abtun, aber er wird sie nicht los. Je weiter er wandert, desto schwerer wird sie. Bisher hatte er die Last nicht so gespürt. Sie war selbstverständlich. Aber als er sich entfernt von der Stadt Welt, wird die Last immer größer. Schließlich kann er kaum mehr weiter. Und dann geht er mühselig einen Pfad im Gebirge hoch. Er kann nicht mehr mit der Last. Da kommt er um eine Wegbiegung, und vor ihm taucht ein Kreuzesbild auf. Beinahe bewusstlos sinkt er vor dem Kreuz nieder, hält sich daran fest und blickt daran empor. Im selben Augenblick spürt er, wie die Last sich löst und polternd in den Abgrund stürzt.

Ein wundervolles Bild für das, was ein Mensch erleben kann am Kreuze Jesu Christi:

Da blick ich auf und sehe / Im Geiste Gottes Lamm,
Wie es für mich geblutet hat / Und starb am Kreuzesstamm.
Dann muss ich schamerfüllt gestehn: / Zwei Wunder ich hier find’,
Das Wunder seiner großen Lieb’ / Und meiner großen Sünd’.

Vergebung der Sünden: Der Heiland hat für mich bezahlt. Meine Schuldkette wird mir abgetan. Ich werde meine Last los.

Das kann uns nur Jesus schenken: Vergebung der Sünden! "

 

Pfarrer Wilhelm Busch (1897-1966) in "Jesus unser Schicksal".
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Aus allen Bereichen

  • Ich habe von einer Familie gehört, die es erfahren hat wie der verlorene Sohn. Das waren Leute, denen es gut ging. Und als ihnen eines Tages ein treuer Zeuge Jesu sagte, sie möchten doch den Heiland in ihr Herz und Haus lassen, da lächelten sie überlegen. Und der Mann meinte: »Oh, wir wollen schon so fertig werden. Wir sind doch aufgeklärte Leute.«

  • Im Anfang des vorigen Jahrhunderts lebte in Stuttgart der gesegnete Pfarrer Dann. Der traf einst ein Gemeindeglied, einen Schneidermeister, und fragte ihn: »Warum kommen Sie gar nie zum Abendmahl?«

  • Wäre es nicht wirtschaftlicher gewesen, wenn Jesus nur für die Sünden gelitten hätte, für die die Menschen Vergebung erbitten, statt für die Sünde der ganzen Welt?