Ein Leben in der Erniedrigung

»Und er ging hin und hängte sich an einen Bürger des Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten.«

Das war ein saurer Gang für den verwöhnten jungen Mann. Aber so geht’s. Wer die Liebe des Vaters verschmäht, der muss die Kälte der Menschen erfahren. Wer nicht zum Herrn gehen will, der muss sich an Menschen hängen und ein Knecht der Menschen werden.

»Der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten.« Da gab es kein langes Reden und Bitten. Da gab es nur harte Notwendigkeit. Ja, die Welt war seine Freundin. Um dieser Freundin willen hatte er seinen Vater und Gott drangegeben. Nun behandelte ihn die Welt nach ihrer Weise.

»Du musst innewerden und erfahren, was es für Jammer und Herzeleid bringt, den Herrn, deinen Gott, zu verlassen.«

Über den »Bürger« dieses gottfernen Landes muss ein Wort gesagt werden. Der berühmte Prediger Theremin sagt von ihm: »Wer ist er, dieser Bürger; diese Gestalt, die Christus in absichtlichem Dunkel schweben lässt; dieser, der da wohnt im Lande des verzehrenden, ewigen Hungers; dieser Herr, dem sich die um Lohn verdingen, welche den Dienst Gottes verlassen haben? Wir wollen ihn nicht nennen. Nur den Entschluss wollen wir fassen, die Sünde, wodurch er uns beherrscht, zu fliehen.«

»Der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten.« Jesus erzählte die Geschichte in einem Lande, wo Schweine als unrein galten. Jeder verstand den Hinweis: Nun ist der Sohn ganz und gar eingegangen in die Welt der Unreinheit. Nun muss er ihr dienen.

So geht’s mit der Sünde. Erst spielen wir mit ihr. Dann beherrscht und erniedrigt sie uns. Erst wollen wir – dann müssen wir. Der Teufel verspricht jedem zuerst Freiheit, dann schlägt er ihn in Ketten. Was hilft’s, dass der verlorene Sohn mit den Zähnen knirscht über seine Erniedrigung! Er muss in der Welt der Unreinheit leben.

D. Humburg sagt einmal: »Nicht nur die Hölle ist traurig. Auch der Weg dorthin. Wie manch einer, der es gut haben könnte im Vaterhaus und der einmal den Frieden Gottes empfunden hat, lebt ein Hundeleben, das schon eine Hölle auf Erden ist. Manche Ehe, manches Familienleben, manche Quälerei im Beruf zeigt den unheimlichen Schein, den die Hölle schon in das Leben der Menschen vorauswirft.«

Ein Leben ohne Gott ist ein Leben der Erniedrigung. Aber das Gegenteil ist auch wahr: Ein Leben mit Gott, ein Leben in der Gnade – das ist ein erhöhtes und freies Leben. Im Loblied der Hanna heißt es:

»Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche, dass Er ihn setze unter die Fürsten und den Thron der Ehre erben lasse« (1. Samuel 2,8).

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Pfarrer Wilhelm Busch (1897-1966) in "Jesus unsere Chance".
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  • Bei meinen vielen Gesprächen, die ich mit Menschen über das Seligwerden führe, stoße ich immer wieder auf einen verhängnisvollen Irrtum. Da sagt so ein nicht wiedergeborener Mensch: »Ich glaube auch an Gott.« Ach, Freunde, wenn’s darauf ankäme!

  • Ich habe von einer Familie gehört, die es erfahren hat wie der verlorene Sohn. Das waren Leute, denen es gut ging. Und als ihnen eines Tages ein treuer Zeuge Jesu sagte, sie möchten doch den Heiland in ihr Herz und Haus lassen, da lächelten sie überlegen. Und der Mann meinte: »Oh, wir wollen schon so fertig werden. Wir sind doch aufgeklärte Leute.«

  • Man muss sich wundern über den verlorenen Sohn. Wenn er sagt: »Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße«, dann wäre es doch logisch, wenn er fortführe: »Darum will ich den Vater meiden und weit weggehen.«