Ein Leben im Hunger

»Als er nun all das Seine verzehrt hatte, fing er an zu darben.«

Und später heißt es:

»Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit Trebern, die die Säue aßen; und niemand gab sie ihm.«

Ich habe von einer Familie gehört, die es erfahren hat wie der verlorene Sohn. Das waren Leute, denen es gut ging. Und als ihnen eines Tages ein treuer Zeuge Jesu sagte, sie möchten doch den Heiland in ihr Herz und Haus lassen, da lächelten sie überlegen. Und der Mann meinte: »Oh, wir wollen schon so fertig werden. Wir sind doch aufgeklärte Leute.« Wenige Jahre später war der Sohn im Streit von zu Hause weggegangen. Die Mutter lag leidend auf ihrem Schmerzenslager. Sie rief nach ihrer Tochter. Aber die war immer außer Hauses, um sich zu vergnügen. Verzweifelt saß der Mann in seinem Büro, um sein zusammenbrechendes Geschäft zu retten. »So, nun holt euch Kraft, Trost, Hoffnung aus eurer Aufklärung!« höhnte der Teufel. »Und sie fingen an zu darben.«

Doch es braucht gar nicht so schlimm zu kommen! Denkt nur an Zachäus, der dort mit hungrigem Herzen auf dem Maulbeerbaum sitzt. Er hat Geld und Gut. Aber seine arme Seele verschmachtet. Der berühmte Redner Cicero hat einmal gesagt: »Nachdem ich alles durchgemacht habe, finde ich nichts, das mir Ruhe brächte.« Und wie wird dieses Darben erst im Sterben offenbar! Sag, was soll dich denn im Sterben trösten? Die genossene Lust? Die klagt dich nur an. Dein Geld? Das musst du zurücklassen. Deine erfüllte Pflicht? Die bringt dich nicht in den Himmel. Da geht es einem wie dem gottlosen König Heinrich VIII. von England. Der soff noch ein Glas Wein aus und sagte: »So, ihr Herren, nun ist alles dahin – Reich, Seele, Leib und Leben.« Vom verlorenen Sohn heißt es: »Er fing an zu darben.« Nun, war das schlimm? Lebte er nicht in einem reichen, weiten Land? Er schaut sich um. Aber – da sieht er dieses Land auf einmal in einem neuen Licht: Hier ist auch Teuerung.

Ja, so geht’s. Erst erscheint einem die Welt so herrlich. Aber wenn die Not an die Seele geht, dann entdeckt man: Diese Welt hungert ja auch! Lauter sterbende, hungernde Seelen! Die Seele lebt nur vom Worte Gottes. Und von dem Sünderheiland, der gesagt hat:

»Ich bin das Brot des Lebens.«

Aber diese Speise hat die Welt abgetan und verworfen. Kein Wunder, dass nun eine große geistliche Hungersnot anbricht.

»Und es ward eine große Teuerung durch dasselbe ganze Land.«

Diese Teuerung hat begonnen. Von ihr lesen wir in Amos 8,11-13:

»Siehe, es kommt die Zeit, spricht Gott der Herr, dass ich einen Hunger ins Land schicken werde, nicht einen Hunger nach Brot oder Durst nach Wasser, sondern nach dem Wort des Herrn, es zu hören; dass sie hin und her von einem Meer zum andern, von Norden nach Osten laufen und des Herrn Wort suchen und doch nicht finden werden. Zu der Zeit werden die schönen Jungfrauen und die Jünglinge verschmachten vor Durst.«

Arme Welt! Wie gut haben es die Kinder Gottes.

»Der Gerechte kann essen, bis er satt ist« (Sprüche 13,25).

Sie haben das Brot des Lebens: Jesus. Und sie rühmen:

»Der Herr ist meine Stärke und mein Schild; auf Ihn hofft mein Herz, und mir ist geholfen. Nun ist mein Herz fröhlich, und ich will Ihm danken mit meinem Lied« (Psalm 28,7).

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Pfarrer Wilhelm Busch (1897-1966) in "Jesus unsere Chance".
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  • Bei meinen vielen Gesprächen, die ich mit Menschen über das Seligwerden führe, stoße ich immer wieder auf einen verhängnisvollen Irrtum. Da sagt so ein nicht wiedergeborener Mensch: »Ich glaube auch an Gott.« Ach, Freunde, wenn’s darauf ankäme!

  • Das war ein saurer Gang für den verwöhnten jungen Mann. Aber so geht’s. Wer die Liebe des Vaters verschmäht, der muss die Kälte der Menschen erfahren. Wer nicht zum Herrn gehen will, der muss sich an Menschen hängen und ein Knecht der Menschen werden.

  • O du junger Mann, wo sind deine Freunde von einst? Wo sind sie? Merkst du nun, dass du gar keine hast? Und den einen, der es gut mit dir meinte, den hast du verlassen.